Jubiläumsfeier 10.10.2014

Störtebeker und Steuern

(Frei erfunden und vorgetragen von Frau Claudia Greibke)

Zum 10jährigen Kanzleijubiläum von Claudia Greibke am 10.10.2014

Nachschlagewerk. Sie stehen auch in keinem Gesetz … Es existieren, wenn überhaupt, Sagen oder Erzählungen. Sie sind mal grausam und brutal, mal irrwitzig und mal unglaublich. Kleine Kinder lehren sie das Fürchten, Frauen bleibt das Herz stehen und Männer bekommen eine Gänsehaut, wenn sie …… etwas über Steuern hören. Gerade deshalb üben Steuern und die vielen Geschichten über sie eine solche Faszination aus.
Die sagenumwobenen Erzählungen über den Seeräuber Klaus Störtebeker sind eben auch aus diesem Holz geschnitzt. Jedoch verhält es sich mit ihnen wie mit so vielen Sagen, die eine Hälfte stimmt, die andere ist frei erfunden. Wie hat es sich nun wirklich zugetragen?
Klaus wurde irgendwann zwischen 1360 und 1380 im Dorf Ruschvitz in Glowe auf Rügen geboren. Als junger Mann war er Knecht auf dem Gutshof Ruschvitz. Es gab noch keinen Mindestlohn von brutto EUR 8,50, der ihm auch als Knecht heute zustehen würde, den gibt es erst ab 1.1.2015. Als er eines Tages von schwerer Arbeit auf den Hof zurückkam, holte ihm seine Liebste, die Trebele, einen Krug Bier, damit er sich erfrischen sollte. Zu ihrem und seinem Unglück vertat sie sich und gab ihm Starkbier.

Das aber war nur für Herren gebraut – die einfachen Leute bekamen nur schwaches Bier. Hier hat das Risikomanagement von Trebele völlig versagt. An dieses Risiko hatte sie nicht gedacht, dass sie die Störtebeker-Bierflaschen verwechseln könnte. Sie hat das Risiko nicht überwacht. Beim nächsten Mal wird sie daran denken … Ihr Compliance-Management-System sollte optimiert werden … Trebele denkt dabei an den Vertrauensverlust beim ADAC. Vertrauen war gut, aber Kontrolle wäre besser gewesen…

Der Gutsherr Bonte von Putbus und der Vogt kamen hinzu, bemerkten die "Missetat" und befahlen, Klaus und Trebele zu bestrafen. Klaus wurde bestraft und von Bonte und dem Vogt verhöhnt.

Gereizt durch die Hohnreden der Herren, zornig ob der erlittenen Strafe und um seine Trebele vor der ihr zugedachten Pein zu bewahren, erschlug Klaus den Bonte und den Vogt mit dem Stockbrett. Zusammen mit Trebele ergriff er auf dem guten Pferd des Bonte die Flucht. Sie überlegten, ob sie in die Schweiz fliehen sollen. Nein, dem Uli Hoeneß hat das auch nicht geholfen und ab 2015 soll auch noch die Selbstanzeige weiter verschärft werden. Sie müssten überlegen was sie die letzten 10 Jahre getan haben! Nein, dann könnten sie nie wieder zurück … Vielleicht nach Griechenland …? Dort gibt es noch nicht genug Finanzbeamte, die Steuern erheben, aber wenn sie keine Steuern zahlen, hätten sie dann überhaupt Geld zum Leben? Sie entscheiden sich gegen eine Flucht in die Schweiz oder nach Griechenland.

Die Flucht gelang.

Bei Spyker fanden die beiden ein Boot und segelten über den Großen Jasmunder Bodden hinaus in den Ostsee. Sie führten ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch über ihre Reisen, so dass sie wenigstens keinen geldwerten Vorteil versteuern mussten.

Dann aber sank ihr Boot. Sie wären ertrunken, wenn da nicht die Handelskogge "Heilige Genoveva" des Stralsunder Kaufmanns Karsten Sarnow vorbeigekommen wäre.

Der Maat Goedeke Micheel ließ die beiden auffischen und an Bord mit trockener Kleidung versehen. Ihm schwant zwar, daß mit den jungen Leuten etwas nicht stimmt, aber den Schiffer läßt er nichts davon merken, um zu vermeiden, daß der der Sache nachgeht und die beiden nach hansischem Recht ausliefern muß. Er holt auch nicht den vorgeschriebenen Betriebsarzt, der an Bord ist, weil mehr als 10 Matrosen angeheuert haben.

In Stralsund angekommen, wird Trebele als Magd in den Haushalt von Sarnows Frau aufgenommen. Diese wird sie als Haushaltshilfe anmelden und kann sie so von der Steuer absetzen.

Klaus Störtebeker aber verblüfft den wackeren Kaufmann und die Besatzung, indem er einen großen Becher Wein, der ihm zum Willkomm angeboten wird, in einem Zug hinunterstürzt. Goedeke Micheel, nach dem Nachnamen des Klaus gefragt, entgegnet verdutzt: "Wie wird er schon heißen – sein Name kann doch nur (stürzt den Becher) – also - Störtebeker sein."

Störtebeker wird in die Besatzung der "Heiligen Genoveva" aufgenommen und lernt unter der wohlwollenden wie strengen Hand des Goedeke Micheel das Seemannshandwerk besser als je ein anderer.

Dann aber werden die Streitereien und Konflikte in einigen Hansestädten zwischen den Patriziern und der plebejischen Bevölkerung sowie zwischen den Hansestädten immer stärker. Fast so schlimm wie der Konflikt zwischen Steuerberater und der Technik des Finanzamts bei der E-Bilanz, ob alle Konten richtig zugeordnet sind. Zum schlimmen Ende einer solchen Episode soll die Besatzung der "Heiligen Genoveva" als Gefangene an den Rat von Stralsund ausgeliefert werden, weil sie angeblich unter Führung des Karsten Sarnow gegen die Patrizierherrschaft gemeutert hat.

Um einem bösen Schicksal zu entgehen, bemächtigt sich die Besatzung unter Führung von Klaus Störtebeker und Goedeke Micheel des Schiffes, das sie nach Stralsund bringen soll und beschließt, sich als Seeräuber durchzuschlagen. Sie beauftragen einen Geldwäschebeauftragten, weil sie mit Gold, Silber und Schmuck handeln. Ihr Handel mit Schiffen und Antiquitäten unterliegt auch dieser Pflicht. Auch wenn Störtebeker nicht direkt als Finanzunternehmen oder Immobilienmakler tätig war, sollte jeder prüfen, ob er auch einen Geldwäschebeauftragten benötigt.

Weil sie aber auf Betreiben des Klaus Störtebeker alle Beute zu gleichen Teilen unter die Besatzung verteilen, führen sie auch den Namen Likedeeler (Gleichteiler).

Einen Teil dessen, was sie den reichen Kaufherren der Hanse auf See abnehmen, bringen sie den armen Leuten an der mecklenburgischen Küste, die dort zum Teil als Flüchtlinge vor überharter Leibeigenschaft an versteckten Buchten als Vogel-Freie leben. So hat bei Störtebeker das Prinzip der Steuern funktioniert!!

Der Krieg zwischen Mecklenburg und Dänemark um die Herrschaft in der Ostsee verschafft den Leuten um Störtebeker und Micheel für einige Zeit eine andere Arbeit – sie werden sog. Vitalienbrüder.

Sie versorgen das von Mecklenburg besetzte und durch dänische Schiffe blockierte Stockholm mit Lebensmitteln (Viktualien). Wie lange waren diese Lebensmittel haltbar? Gab es ein Mindesthaltbarkeitsdatum? Musste damals schon eine Teilwertabschreibung auf diese Lebensmittel vorgenommen werden? Seit Juli 2014 gibt es ein neues BMF-Schreiben zur Teilwertabschreibung, die größte Bedeutung hat dies bei aber der Bewertung von Wertpapieren.

Die Versorgung Stockholms mit dem Laternentrick geht so: Gegen Tagesende nähert sich das Schiff der Vitalienbrüder von See her der Sperrkette der Blockadeschiffe und geht außerhalb deren Reichweite vor Anker. Bei Beginn der Dämmerung wird eine Laterne ziemlich weit unten am Schiff aufgehängt. Die Wachen auf den Blockadeschiffen beobachten die ganze Nacht über die Laterne und stellen fest, daß der Blockadebrecher sich nicht rührt. Bei Tagesanbruch ist die Laterne immer noch da, sie hängt jetzt am Mast eines Ruderbootes. Das Schiff der Vitalienbrüder aber ist im Schutze der Dunkelheit an den Blockadeschiffen vorbei in den Hafen gesegelt. So etwas konnten nur außergewöhnlich gute Seeleute. Z. B. Seeräuber, deren Leben ständig davon abhing, auf See die Besseren zu sein.

Aber dann ging der Krieg zwischen Mecklenburg und Dänemark zu Ende, die Vitalienbrüder wurden nicht mehr gebraucht. Die Rückkehr zu Seeräuberei war möglich, aber für die Seeräuber in der Ostsee wurde es sehr eng. Die ehemaligen Kriegsparteien, die vorher die Seeräuber zu eigenem Vorteil gefördert und ausgenutzt hatten, sagten ihnen nun gemeinsam den Kampf an. Gegen die große Zahl von schwerbewaffneten Orlogschiffen konnten die Seeräuber in den engen Gewässern der Ostsee nicht bestehen. Sie hatten auch keinen Notfallkoffer bei sich für den Fall, dass ihr Chef über Bord geht oder entführt wird. Sie hätten also nicht einmal Bankvollmacht oder den Zugriff auf die Edelsteine gehabt …

Aber: Es gab neue Arbeit für kampferprobte Männer. Der ostfriesische Häuptling Widzel tom Broke in Marienhafe fand es zunehmend lästig, sich immer wieder der Wahl durch seine Landsleute zu stellen. Die arbeitslosen Seeräuber aus der Ostsee kamen ihm als Söldner gerade recht, um seine Herrschaft auf deren Kraft und Waffen zu stützen. Die Männer überlegten auch, Bauleistungen zu erbringen. Aber oh weh !! Wenn sich die Steuerrechtsprechung zu Bauleistungen und zum §13b UStG jede Woche so wie in diesem Jahr 2014 ändert, dann wollen sie lieber Söldner oder Seeräuber bleiben als irgendetwas mit Bau zu tun zu haben …

Jedoch der Söldnerdienst für die tom Broke hielt nicht lange an. Nach Widzels Tod begann sein Bruder Keno tom Broke mit den Hamburgern zu verhandeln, denen die Seeräuber in Ostfriesland ein Dorn im Auge waren. Bald wurden sie aus ostfriesischem Dienst entlassen und mußten zu ihrem alten "Handwerk" zurückkehren. Aber, da ihnen der Weg in die Ostsee versperrt war, nunmehr in der Nordsee vor der Tür Hamburgs. Nord- und Ostsee waren beide weit genug von der Adria entfernt, so dass sich Störtebeker keinerlei Gedanken machen musste, ob sich bei seiner Umsatzsteuer irgendetwas durch das seit 2014 neue Kroatiensteuer-Anpassungsgesetz verändert. Er musste sowieso aufpassen, ob er seine Leistungen im Drittland oder in der EU erbringt. Da war das Gebiet der Hanse für die Umsatzsteuer völlig irrelevant … Falls er ein Hörbuch an Bord gehabt hätte, wären es bisher 19% USt gewesen, ab 1.1.2015 werden es wie bei einem Buch dann 7% USt. Aber ist eine Grönemeyer-CD mit 19% UST etwas anderes als ein Hörbuch? Das hätte auch Störtebeker nicht verstanden….

Die Hamburger aber konnten Seeräuber vor ihrer Elbemündung nun gar nicht dulden. Sie rüsteten u.a. die "Bunte Kuh" als Kriegsschiff aus und begannen unter der militärischen Führung des listigen Simon von Utrecht einen vernichtenden Kampf gegen die Seeräuber.

Die Besatzung von Störtebekers Schiff, des "Seetiger" geriet durch eine doppelte List in Gefangenschaft. Ein angeblicher Krabbenfischer bat eines Abends, in Lee (windgeschützte Seite) des "Seetiger" seine Suppe kochen zu dürfen. Die Mannen des Störtebeker, kleinen Leuten ohnehin wohlgesonnen, gestatteten das. Sie dachten der Fischer sei gemeinnützig tätig und verwendet sicher auch immer die aktuell gültigen Spendenbescheinigungen.

Als sich plötzlich die "Bunte Kuh" näherte und der "Seetiger" in Kampfposition gesteuert werden sollte, da merkten die Seeräuber, welche "Suppe" der Fischer gekocht hatte - von wegen gemeinnützig! – in den Angeln des Ruders war Blei, der "Seetiger" war manövrierunfähig. In ihrem stürmischen Aufbegehren gegen diesen Nachteil gleich zu Beginn des Kampfes gingen Störtebeker und seine Leute in die zweite Falle: Sie sprangen auf das menschenleere Deck der längsseits gekommenen "Bunten Kuh", aus der Takelage fiel ein Stahlnetz und sie waren gefangen, ohne sich ihrer Haut wehren zu können. War das die Leistung eines Künstlers? Greift jetzt das Gesetz zur Stabilisierung des Künstlerabgabegesetzes vom 30.7.2014? Ab 2015 soll die Prüfungsdichte deutlich erhöht werden und Unternehmen mit über 20 Mitarbeitern werden anschlussgeprüft. Sie müssten die Künstlersozial-Abgabe iHv 5,2% sogar bezahlen, wenn sie gestalterische Werbeleistungen wie Firmenlogos und Webdesign erhalten…

Nein, hier war es keine Kunst: Die "Bunte Kuh" unter Kapitän Nyenkerken brachte sie nach Hamburg und Simon von Utrecht übergab sie mit großen Triumph dem Hamburger Rat. Im Jahre 1401 wurden Klaus Störtebeker und seine Gesellen zum Grasbrook bei Hamburg gebracht, um dort durch den Scharfrichter geköpft zu werden.

Störtebeker erbat eine letzte Gnade: Die Regeln zum Mini-One-Stop-Shop, die ab 1.1.2015 gelten, solle ihm jemand erklären. Was hat der Ort der Leistung bei Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernsehdienstleistungen oder elektronischen Diensten mit der Umsatzsteuer zu tun? Ja, es ändert sich erhebliches bei Internet-Service-Paketen, Bereitstellung von Software oder Websites, aber da soll er doch lieber seinen Steuerberater fragen …

Störtebekers allerletzter Gnadenwunsch: er wolle als erster geköpft werden und diejenigen von seinen Gefährten, an denen er dann ohne Kopf noch vorbeigehen würde, die sollten ihr Leben behalten.

Hohnlachend gewährten die Hamburger Ratsherren diese Bitte.

Und so wurde uns die Legende überliefert:

Klaus Störtebeker stand auf aus seinem Blut, seinen Gefährten noch im Tode treu, und begann an deren Reihe entlang zu gehen - bis der entsetzte Henker ihm einen Knüppel vor die Füße warf.

 

Klaus Störtebeker von Georg Busse-Palma (1903) . 1876 - 1915

Klaus Störtebekers gepanzerte Hand,
Die Hansa hat sie gezwungen.

Sie nahm ihn gefangen bei Helgoland
Mitsamt seinen trotzigen Jungen.

Laut brüllte ihr Schlachtschiff "Die bunte Kuh",
Ihre Nüstern spien Tod und Verderben.
Nun wiegt sie den Türmen von Hamburg zu
Den alten Wickingererben.

"Ich will", sprach er, "ihr Herrn vom Rat,
Um meines Lebens wegen,
Eine goldene Kette um eure Stadt,
Gold um ganz Hamburg legen.
Und mit Rubin und Edelstein
Eure samtenen Wämser schmücken,
Denn besser ist es, ein Bettler sein,
Als sich dem Beil zu bücken." - -

Die seidnen Krausen der Herrn vom Rat,
Die raschelten im Verneinen.
"Zu laut um deine Missetat
Die Witwen und Waisen weinen.
Klaus Störtebeker, zum letztenmal
Hörst du die Winde heut wehen,
Und morgen wird Fiedel und Flötenschall
Mit dir zum Richtplatz gehen!"

Klaus Störtebeker dacht' lange stumm
Der Brüder, der kettenbeschwerten.
Meine Macht ist vorbei, meine Zeit ist herum,
Wie rette ich meine Gefährten?
Treu gegen Treue ist deutscher Brauch.
Mir sind sie treu gewesen.
Die alte Treue, ich halt' sie auch,
Kein Beil kann von ihr lösen!

Und als er wieder den Blick gekehrt,
Sprach er, wenn's also eilig,
Dann sei mir die letzte Bitte gewährt,
Der Sterbenden Wünsche sind heilig!

Begnadigt alle, an denen ich
Vorüber noch rennen werde,
Wenn schon dies Haupt hier rollend sich
Beschmutzt auf eurer Erde!

Als dann der andre Tag gegraut,
Schritt er im Festgewande

Mit Fiedeln und Flöten zu seiner Braut,
Zum Grasbrook am Elbestrande.
Seine Braut war das Beil und ihr Kuß war der Schlag,
Der stählern im Nacken ihm brannte.
Doch als sein Haupt dann am Boden lag,
Der Rumpf stand auf und rannte.

Und rannte die Reih' der Gesellen entlang,
Die ihres Todes dort harrten,
Derweil zu Flöten und Fiedelklang
Die Knechte das Haupt schon verscharrten.
Und rannte vorüber am fünften Mann -

Fünf Herzen atmeten wieder -
Da stieß er im Lauf an ein Holzscheit an

Und das zwang ihn hernieder.
Blutüberströmt lag da der Rumpf,
Und konnte sich nicht mehr heben.
So fielen um einen Birkenstumpf

Eine Leiche und fünfzig Leben!
Doch alle, die dann mit entblößtem Genick

Nach ihm auf das Blutgerüst wallten,
Die trugen den lodernden Stolz im Blick,
Daß er die Treue gehalten ...
Und ob sich die Zeit auch geändert hat,

Ob's Räuber auch nur und Rebellen,
Wollte Gott, es gäbe in Land und Stadt
Noch heut einen solchen Gesellen!
Der treu wie im Leben treu über den Tod,
Treu denen, die ihm vertrauen,
Der könnte noch heute nach irdischer Not

Dem höheren Richter, dem ewigen Gott,
Getrost ins Antlitz schauen!