Neujahrsmärchen 2011

Vom Fischer und seiner Frau

(frei nach den Gebrüdern Grimm)

Es war einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einer kleinen Fischerhütte an den Landungsbrücken, und der Fischer ging alle Tage hin und angelte; und er angelte und angelte.

Er liebte diesen Platz besonders, genoss den Anblick der vorbeifahrenden Barkassen, lauschte dem Tuten der, in den Hafen einfahrenden Container-riesen und er angelte und angelte….

So saß er auch einmal mit seiner Angel und sah immer in das klare Wasser hinein; und so saß er nun und saß.

Da ging die Angel auf den Grund, tief hinunter, und als er sie heraufholte, da holte er einen großen Butt heraus. Da sagte der Butt zu ihm: "Hör mal, Fischer, ich bitte dich, lass mich leben, ich bin gar kein richtiger Butt, ich bin ein verwünschter Prinz. Was hilft dir's, wenn du mich totmachst? Ich würde dir doch nicht recht schmecken; setz mich wieder ins Wasser und lass mich schwimmen!" "Nun", sagte der Mann, "du brauchst nicht so viele Worte zu machen; einen Butt, der sprechen kann, werde ich doch wohl schwimmen lassen." Damit setzte er ihn wieder in das klare Wasser; da ging der Butt auf den Grund und ließ einen langen Streifen Blut hinter sich. Da stand der Fischer auf und ging zu seiner Frau in die kleine Hütte.

"Mann", sagte die Frau, "hast du heute nichts gefangen?" "Nein", sagte der Mann, "ich fing einen Butt, der sagte, er wäre ein verwunschener Prinz, da hab ich ihn wieder schwimmen lassen." "Hast du dir denn nichts gewünscht?" sagte die Frau. "Nein", sagte der Mann, "was sollt ich mir denn wünschen?" "Ach", sagte die Frau, "das ist doch bös, immer hier in dem Hüttchen zu wohnen, das stinkt und ist so eklig; du hättest uns doch ein kleines Häuschen wünschen können. Geh noch mal hin und ruf ihn! Sag ihm, wir wollten ein kleines Häuschen haben, er tut das gewiss." "Ach", sagte der Mann, "was soll ich da noch mal hingehen?" "I", sagte die Frau, "du hattest ihn doch gefangen und hast ihn wieder schwimmen lassen, er tut das gewiss. Geh gleich hin!" Der Mann wollte noch nicht recht, wollte aber auch seiner Frau nicht zuwider handeln und ging hin an die Elbe.

Als er dorthin kam, war die Elbe ganz grün und gelb und gar nicht mehr so klar. So stellte er sich hin und sagte:

"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill,
will nich so, wie ich es will."

Da kam der Butt angeschwommen und sagte: "Na, was will sie denn?" "Ach", sagte der Mann, "ich hab dich doch gefangen gehabt; nun sagt meine Frau, ich hätt mir doch was wünschen sollen. Sie mag nicht mehr in ihrer Hütte wohnen, sie will gern ein kleines Häuschen." "Geh nur hin", sagte der Butt, "sie hat es schon."

Da ging der Mann hin, und seine Frau saß nicht mehr in dem Fischerhüttchen; an seiner Stelle stand jetzt ein kleines Häuschen, und seine Frau saß vor der Türe auf einer Bank. Da nahm ihn seine Frau bei der Hand und sagte zu ihm: "Komm nur herein, sieh, nun ist das doch viel besser!" Da gingen sie hinein, und an dem Häuschen war eine kleine, wunderschöne Bankirei-Terrasse angelegt, umsäumt von einem kleinen, allerliebsten Garten. Alles war aufs beste mit Gerätschaften versehen und aufs schönste aufgestellt, Zinnzeug und Messing, was eben so dazu gehört. Und dahinter war auch ein kleiner Hof mit Hühnern und Enten.

Liebe Leute: auch über Land- und Forstwirtschaft könnten wir etwas erzählen…nun lass’ uns erst einmal mit dem Märchen fortfahren. "Sieh", sagte die Frau, "ist das nicht nett? Wie schön, dass uns der Butt hat diese wunderschöne Terrasse anlegen lassen. Aber weißt du Mann, dass kann der bestimmt als Handwerkerleistung von der Steuer absetzen. Er hätte uns zumindest auch noch den Gärtner, der den Rasen mäht und den Fensterputzer dazu herschaffen können. Das sind ja schließlich steuerlich absetzbare, haushaltsnahe Dienstleistungen – oder glaubst du, Mann, der beschäftigt die schwarz?“

Dann aßen sie etwas und gingen zu Bett.

So ging das wohl nun acht oder vierzehn Tage; da sagte die Frau: "Hör, Mann, das Häuschen ist auch gar zu eng, und der Hof und der Garten ist so klein; der Butt hätt uns auch wohl ein größeres Haus schenken können. Ich möchte wohl in einem großen, steinernen Schloß wohnen. Geh hin zum Butt, er soll uns ein Schloß schenken!" "Ach, wir in einem Schlosse wohnen?" "I was", sagte die Frau, "geh du nur hin, der Butt kann das schon tun! Die Umzugskosten kann er auch absetzen und wir haben gar wenig Arbeit damit“ "Nein, Frau", sagte der Mann, "der Butt hat uns erst das Häuschen gegeben; ich mag nun nicht gleich wiederkommen, den Butt könnte das verdrießen." "Geh doch", sagte die Frau, "er kann das recht gut und tut es auch gern; geh du nur hin!"

Dem Mann war sein Herz so schwer, und er wollte nicht; er sagte zu sich selber: "Das ist nicht recht" - aber ging doch hin.

Als er an die Elbe kam, war das Wasser ganz violett und dunkelblau und grau und dick und gar nicht mehr so grün und gelb; doch war es noch still. Da stellte er sich nun hin und sagte:

"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, de Ilsebill,
will nich so, wie ich es will."

"Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte der Mann halb bedrückt, "sie will in einem großen, steinernen Schloß wohnen."

"Geh nur hin, sie steht vor der Tür", sagte der Butt.
Da ging der Mann hin und dachte, er wollte nach Haus gehen; als der Weg ihn zu einer großen, großen Baustelle führte. Es wurde ein Schloß gebaut mit vielen schimmernden Fenstern, einem gigantischen Blick über den gesamten Hafen und seine Frau stand oben auf der Treppe neben riesigen Baukränen und wollte hineingehen; da nahm sie ihn bei der Hand und sagte: "Komm mal herein! Ich hab auf Dich gewartet – du musst sofort was tun. Die Bauarbeiter und die Logistiker, die das Material heranschleppen, müssen sofort bei der Sozialversicherung angemeldet werden. Du musst von Ihnen die Lohnsteuerkarte holen und wenn du den Steuerberater nicht erreichen kannst, musst du das schnell im Internet unter SV.net machen.

Der Mann, der so etwas noch nie gehört hatte, ging mit hängenden Schultern zu den Bauarbeitern, die ihn heftig auslachten und sagten: „Ja weißt du denn gar nichts, du Fischer? Wir haben 2011 und es gibt keine neuen Lohnsteuerkarten mehr, die von 2010 gelten weiter. Wir sind ja viel schlauer als du und wissen sogar, dass wir bei Änderungen nicht mehr zum Ortsamt, sondern zum Finanzamt gehen müssen.

Aber wo du schon mal da bist – sag deiner Frau, wir wollen von ihr die Rückenschule und die Stressprävention bezahlt haben. Schließlich kann sie als unser Arbeitgeber uns das bis 500,-- EURO steuerfrei zahlen und das muss doch bei diesem riesigen Bau übrig sein.“

Der Mann wusste nun gar nichts damit anzufangen und ging zurück zu seiner Frau. In dem Schloß war ein großer Konzertsaal und da waren so viele Bedienstete, die ärgerlich waren, denn sie müssen seit drei Wochen höhere Krankenkassenbeiträge zahlen, während das Schloß immer prunkvoller wurde. Die Wände waren alle blank und mit schönen Tapeten, und in dem Konzertsaal lauter goldene Stühle und Tische, und kristallene Kronenleuchter hingen von der Decke. Die Frau lief ihrem Mann entgegen und sagte: „ Schau, diese vielen, vielen Stühle und Leuchter! Alles Güter von geringem Wert. Wir können entscheiden, ob wir diese GWG’s gleich abschreiben oder erstmal für 5 Jahre sammeln.“

Der Mann verstand die Welt nicht mehr und wollte nur noch seine Ruhe. Er sehnte sich nach seinem ruhigen Platz an den Landungsbrücken, den Barkassen, dem Tuten der Schiffe und dem Geruch seiner geangelten Fische. Dennoch..

Seine Frau führte ihn weiter durch das Schloß. Hinter dem Hause war auch ein großer Hof mit einem Pferde- und Kuhstall und Kutschwagen - alles vom Besten; auch war da ein großer herrlicher Garten mit den schönsten Blumen und seinen Obstbäumen und ein herrlicher Park, wohl eine halbe Meile lang – manche nennen dies auch Hafencity. "Na", sagte die Frau, "ist das nun nicht schön?" "Ach ja", sagte der Mann, "so soll es auch bleiben; nun wollen wir auch in dem schönen Schloß wohnen und zufrieden sein und hoffen, dass es in 2012 auch fertig ist." "Das wollen wir uns bedenken", sagte die Frau, "und wollen es beschlafen." Darauf gingen sie zu Bett.

Am andern Morgen wachte die Frau zuerst auf, es war eben Tag geworden, und sah von ihrem Bett aus das herrliche Land vor sich liegen. Der Mann dehnte und reckte sich noch, da stieß sie ihn mit dem Ellenbogen in die Seite und sagte: "Mann steh auf und guck mal aus dem Fenster! Sieh, könnten wir nicht König werden über das ganze Land? Geh hin zum Butt, wir wollen König sein!" "Ach, Frau", sagte der Mann, "warum wollen wir König sein? Ich mag nicht König sein." "Nun", sagte die Frau, "willst du nicht König sein, so will ich König sein. Geh hin zum Butt, ich will König sein!" "Ach, Frau", sagte der Mann, "was willst du König sein? Das mag ich ihm nicht sagen." "Warum nicht?" sagte die Frau, "geh augenblicklich hin, ich muss König sein!" Da ging der Mann hin und war ganz bedrückt, dass seine Frau König werden wollte. Das ist und ist nicht recht, dachte der Mann. Er wollte nicht hingehen, ging aber doch hin.

Und als er an die Elbe kam, da war die Elbe ganz schwarzgrau, und das Wasser quoll so von unten herauf und stank auch ganz faul. Da stellte er sich hin und sagte:

"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill,
will nich so, wie ich das will."

"Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte der Mann, "sie will König werden." "Geh nur hin, sie ist es schon", sagte der Butt.

Da ging der Mann hin, und als er nach dem Schloß kam, da war es viel größer geworden, mit einem großen Turm und einem herrlichen Hotel darin, das nur 7% UST berechnen musste; und die Schildwacht stand vor dem Tor, und da waren so viele Soldaten und Pauken und Trompeten. Und als er in das Haus kam, da war alles von purem Marmelstein und Gold und samtne Decken mit großen, goldenen Quasten. Da gingen die Türen von dem Saal auf. Die Königin hatte den ganzen Hofstaat einfliegen lassen, obwohl sie dafür reichlich Luftverkehrssteuer zahlen musste. Sie saß auf einem hohen Thron von Gold und Diamanten und hatte eine große, goldene Krone auf und den Zepter in der Hand von purem Gold und Edelstein. Bei soviel Kapitalvermögen dachte nicht einmal der Finanzminister daran zu prüfen, ob es günstiger sei, bei dem Steuersatz eines Königs eine Steuererklärung einzureichen, damit sie die 25% Abgeltungssteuer zurück bekommt.

Da stellte er sich nun hin und sagte: "Ach, Frau, bist du nun König?" "Ja", sagte die Frau, "nun bin ich König." Da stand er nun und sah sie an, und als er sie nun eine Zeitlang so angesehen hatte, sagte er: "Ach, Frau, was steht dir das gut, dass du König bist. Nun wollen wir uns auch nichts mehr wünschen." "Nein, du dummer Mann, es gibt so viel zu tun als König und dafür brauche ich ein Arbeitszimmer. In diesem kleinen Schloß steht mir kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung ", sagte die Frau und war ganz unruhig, „Aber du hast doch deinen Thron“ sagte der Mann. „Bin ich vielleicht weniger als ein Lehrer? Was glaubst Du denn, selbst die Lehrer in unserem Land dürfen ein Arbeitszimmer wieder absetzen, das will ich auch.“

Da stellte er sich nun hin und besah sie sich so recht; und als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, da sagte er: "Ach, Frau, wie steht dir das schön, dass du König bist!" "Mann", sagte sie, "was stehst du da? Ich bin nun König; nun will ich aber auch Papst werden, geh hin zum Butt!" "Ach, Frau", sagte der Mann, "was willst du denn nicht noch alles werden?" Papst kannst du nicht werden; den Papst gibt's doch nur einmal in der Christenheit - das kann er doch nicht machen." "Mann", sagte sie, "ich will Papst werden, geh gleich hin, ich muss heut noch Papst werden!" "Nein, Frau", sagte der Mann, "das mag ich ihm nicht sagen, das geht nicht gut aus, das ist zuviel verlangt, zum Papst kann dich der Butt nicht machen." "Mann, schwatz kein dummes Zeug!" sagte die Frau, "kann er Könige machen, so kann er auch Päpste machen. Geh sofort hin! Ich bin König, und du bist doch mein Mann - willst du wohl hingehen?" Da wurde ihm ganz bang zumute, und er ging hin. Ihm war aber ganz flau, er zitterte und bebte, und die Knie und Waden schlotterten ihm. Und da strich so ein Wind über das Land, und die Wolken flogen, und es wurde so düster wie gegen den Abend zu; die Blätter wehten von den Bäumen, und das Wasser ging hoch und brauste so, als ob es kochte, und platschte an das Ufer, und in der Ferne sah er die Schiffe, die gaben Notschüsse ab und tanzten und sprangen auf den Wogen. Doch der Himmel war in der Mitte noch so ein bisschen blau, aber an der Seite, da zog es so recht rot auf wie ein schweres Gewitter. Da ging er ganz verzagt hin und stand da in seiner Angst und sagte:

"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill,
will nich so, wie ich es will."

"Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte der Mann, "sie will Papst werden." "Geh nur hin, sie ist es schon", sagte der Butt.

Da ging er hin, und als er ankam, da war eine große Kirche, von lauter Palästen umgeben. Da drängte er sich durch das Volk; inwendig war aber alles mit tausend und aber tausend Lichtern erleuchtet. Der gesamte technische Hofstaat, mit seinen IT-Spezialisten war emsig damit beschäftigt, Kirchen und Paläste mit der nötigen Software für die E-Bilanz auszustatten. Denn nicht nur die elektronische Übermittlung der Bilanz, sondern im Vorfeld auch eine eventuelle Umstellung des Kontenrahmens sind für den päpstlichen Staat ein immenser Aufwand bis 2012.

Seine Frau, die diesen Aufwand völlig überflüssig fand war ganz in blauer Seide gekleidet und saß auf einem noch viel höheren Thron und hatte eine goldene Krone auf und trug einen großen Kragen, und um sie herum, da war so viel geistlicher Staat, dass es sogar möglich war, all’ die komplizierten Vorschriften des BILMOG zu verstehen.

Liebe Leute: mit geistlichem Beistand gar nicht so schlimm.
Abweichende Handels- und Steuerbilanz, Rückstellungsbewertung, Wegfall der umgekehrten Maßgeblichkeit sind mit geistlichem Beistand durchaus zu bewältigen.

Als die Frau davon hörte, sagte sie: “Mein Gott, ist Papst sein kompliziert. Wie gut, dass ich meine Leute habe!“
Und all die Kaiser und Könige, die lagen vor ihr auf den Knien und küssten ihr den Pantoffel. "Frau", sagte der Mann und sah sie so recht an, "bist du nun Papst?" "Ja", sagte sie, "ich bin Papst." Da ging er hin und sah sie recht an, und da war ihm, als ob er in die helle Sonne sähe. Als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, sagte er: "Ach, Frau, wie gut steht dir das, dass du Papst bist!" Sie saß aber ganz steif wie ein Baum und rührte und regte sich nicht. Da sagte er: "Frau, nun sein zufrieden, dass du Papst bist! Nun kannst du doch nichts mehr werden." "Das will ich mir bedenken", sagte die Frau. Damit gingen sie beide zu Bett; aber sie war nicht zufrieden, und die Gier ließ sie nicht schlafen, sie dachte immer, was sie noch werden könnte.

Der Mann schlief gut und fest, er hatte am Tag viel laufen müssen; die Frau aber konnte nicht einschlafen und warf sich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere und dachte immer drüber nach, was sie wohl noch werden könnte, und konnte sich doch auf nichts mehr besinnen. Indessen wollte die Sonne aufgehen, und als sie das Morgenrot sah, setzte sie sich aufrecht im Bett hin und sah starr da hinein. Und als sie aus dem Fenster die Sonne so heraufkommen sah: "Ha", dachte sie, "kann ich nicht auch die Sonne und den Mond aufgehen lassen?" "Mann", sagte sie und stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Rippen, "wach auf, geh hin zum Butt, ich will werden wie der liebe Gott!" Der Mann war noch ganz schlaftrunken, aber er erschrak so, dass er aus dem Bett fiel. Er meinte, er hätte sich verhört und rieb sich die Augen aus und sagte: "Ach, Frau, was sagst du?" "Mann", sagte sie, "wenn ich nicht die Sonne und den Mond kann aufgehen lassen - das kann ich nicht aushalten, und ich habe dann keine ruhige Stunde mehr, dass ich sie nicht selbst kann aufgehen lassen." Dabei sah sie ihn ganz böse an, dass ihn ein Schauder überlief. "Gleich geh hin; ich will werden wie der liebe Gott!" "Ach, Frau", sagte der Mann und fiel vor ihr auf die Knie, "das kann der Butt nicht. König und Papst kann er machen; ich bitte dich, geh in dich und bleibe Papst!" Da kam die Bosheit über sie; die Haare flogen ihr so wild um den Kopf, und sie schrie: "Ich halte das nicht aus! Und ich halte das nicht länger aus; willst du hingehen?" Da zog er sich die Hosen an und lief davon wie unsinnig.

Draußen aber ging der Sturm und brauste, dass er kaum auf den Füßen stehen konnte. Die Häuser und die Bäume wurden umgeweht, und die Berge bebten, und die Felsenstücke rollten in die Elbe, und der Himmel war ganz pechschwarz, und es donnerte und blitzte, und die Elbe ging in so hohen schwarzen Wogen wie Kirchtürme und Berge, und oben hatten sie alle eine weiße Schaumkrone. Da schrie er, und er konnte sein eigenes Wort nicht hören:

"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill,
will nich so, wie ich das will."

"Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte er, "sie will werden wie der liebe Gott."
"Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Fischerhütte."